Ordination Dr. A. Rogan

Medizinische Informationen

Pilzinfektionen der Scheide

 

Fluor Vaginalis        

Häufige und lästige Krankheitsbilder durch Sprosspilze der Gattung Candida sind Haut- und Schleimhautmykosen (Soor). In den letzten Jahrzehnten kam es allerdings zu einer Zunahme von Pilzinfektionen. Vor allem eine genaue Diagnosestellung mit speziellen Kulturtechniken ist bei immer wiederkehrenden Beschwerden unbedingt notwendig.          
Candida albicans wurde am häufigsten isoliert (60%>, gefolgt von Candida glabrata und Aspergillus species (jeweils 1.3%). Candida spp. gehören zu den Sprosspilzen oder Hefen, die sich asexuell durch Sprossung fortpflanzen. Routinemäßig werden Candida-Arten aufgrund ihres Zucker- bzw. Aminosäuremetabolismus unterschieden. Die häufigsten sind Candida albicans, tropicalis, pseudotropicalis, krusei, parapsilosis, glabrata, selten ist Candida lusitaniae. Candida albicans zählt in geringer Keimzahl zur normalen Darm-, Mund-, Rachen-, und Vaginalflora, kann sich aber aufgrund der sonst vorhandenen normalen Bakterienflora, des pH-Werts und der Mukosa (=Schleimhaut)-eigenen Abwehr (z.B. IgA oder Immunzellen) nicht ausbreiten. Bei Störung der Homöostase der Mukosa-Oberfläche kommt es allerdings zu einem Überwuchern dieser Sprosspilze.             

Candida-Vulvovaginitis    

Bei 10-15% aller Frauen ohne Beschwerden kann Candida sp. in geringer Keimzahl vaginal nachgewiesen werden. Bei Infektion durch Candida besteht die klinische Symptomatik aus Brennen, Pruritus (Schmerzen beim Sex), Jucken, Dyspareunie und weißlichem, bröckligen Fluor vaginalis. Die Ursachen von vaginalem Pruritus sind nicht ausschließlich in einer Candida-Infektion zu suchen. Andere Faktoren können zu diesem für die Patientin quälenden Krankheitsbild beitragen. Falsch verstandene Körperhygiene wie übertriebene Reinigung der Genitalregion mir Seifen, selbstdeklariert "milden" Spüllösungen und Kosmetika stören das physiologische Gleichgewicht der Schleimhautflora empfindlich. Der Schleimschutzfilm wird weggewaschen, die Oberfläche wird trocken und rissig und somit zur Eintrittspforte für Bakterien und Sprosspilze.     
Die ersten Symptome, die auf der Haut mit Spannungen und Trockenheitsgefühl auftreten, werden auf der Vaginalschleimhaut nicht wahrgenommen, weil diese keine gute Innervation der Oberfläche hat. Ebenso kann die Verwendung von Slipeinlagen oder Vorlagen bzw. enge Kleidung (wie z.B. Jeans) zu einer allergischen Reaktion führen. Andererseits beginnt der Leidensweg der Patientin nach einer antibiotischen Breitbandtherapie, die häufig wegen banaler viraler Infekte des oberen Respirationstraktes (z.B. Bronchitis, Angina) oder banalen Harnwegsinfektionen gegeben werden. Durch diese Breitbandantibiotika kommt es zu der bereits eingangs erwähnten Zerstörung der Lactobazillen der normalen Vaginalflora und zu einer Überwucherung durch Candida sp.            
Hormonelle Veränderungen (etwa durch Schwangerschaft, Einnahme von ungeeigneten Pillen und Hormonsubstitution) fördern die vermehrte Besiedelung mit Candida sp. Es ist daher wenig erstaunlich, dass aufgrund dieser Vorgeschichte die alleinige antibiotische und antimykotische Behandlung nur geringen Erfolg hat. Es sollte daher nicht nur medikamentös behandelt werden, sondern auch alle anderen potenziell zur Erkrankung beitragenden Faktoren sollten besprochen und beseitigt werden. Die Besserung auf lokale Antimykotika erfolgt relativ langsam. Neben antimykotisch wirksamen Substanzen sollten auch normale Pflegesalben (z.B. Bepanthen, Inotyol) verwendet werden. Diätetisch ist die Einnahme von Joghurt und Sauermilch hilfreich, da es durch Bakterien und deren Stoffwechselprodukte zu einer Verbesserung der physiologischen Flora im Darm kommen kann.
Die Candida-Vorhautentzündung beim Mann verläuft üblicherweise symptomärmer und tritt häufig nur bei schwerer Grundkrankheit, Langzeitantibiotikatherapie, schlecht eingestelltem Diabetes mellitus oder neurotischem Reinlichkeitsbedarf auf.

Intestinale Hyperkolonisierung             


In letzter Zeit wurde die Candida-Besiedelung des Darms zu einem häufigen, aber vagen Krankheitsbild hochgespielt. Die Symptomatik reicht von üblem Geschmack im Mund, Zungenbelag und -brennen, Völlegefühl, Blähungen, Aufgetriebenheit des Bauches, unerklärlicher Gewichtszunahme, Müdigkeit bis zu übel riechenden Stühlen und Diarrhoe. Von dem von allgemeinem Unwohlsein geprägten, oft mit psychischen Veränderungen einhergehendem Bild der "intestinalen Candidose", die keine fassbaren Befunde hat, ist die echte Hyperkolonisation des Darmes zu unterscheiden. Bei dieser finden sich in der quantitativen Stuhlkultur Sprosspilze in einer Keimzahl von >10^6 bei fehlender normaler Keimflora im Färbepräparat, nachdem eine vorhergehende Antibiotikatherapie die normale Darmflora vernichtet hat. Symptome sind Diarrhoe und perianales Ekzem. Diese "Überwucherung" im Darm kann auch ein Ausgangspunkt für rezidivierende Genitalmykosen sein, sodass sich bei rezidevierender Candida-Vulvovaginitis eine quantitative Stuhlkultur auf Pilze lohnt.
Alle anderen, der "intestinalen Candidose" zugeschriebenen Symptome, sind schwerlich einer Candida-Infektion zuzuordnen. Andere Ursachen sind z.B. hormonelle Veränderungen bei Gewichtszunahme und Stimmungsveränderungen, aus welchen Grund auch immer. Die moderne Ernährung mit einerseits hochraffinierten Nahrungs- und Konservierungsstoffen sowie die Angewohnheit, viel rohe, teilweise gefrorene und bereits durch nicht sichtbare Fäulnis befallene Nahrung einzunehmen (Salate, Obst), die oft eine längere Lagerung hinter sich hat, tut ihr übriges. 
Prinzipielle Maßnahmen gegen dieses Krankheitsbild sind eine normale ausgewogene Ernährung mit etwas Ballaststoffen, wirklich frischer Rohkost und Gekochtem, normale physische Aktivität und Antibiotika-Einnahme nur nach strenger Indikationsstellung.